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Meine Empfehlung

Unter dem Deckmantel des Heilsamen

Wenn ich davon schrieb, dass es unser aller Schicksal ist, aus den Verhaltensmustern heraus mit der Welt zu interagieren, die wir früh erlernt haben, so meine ich damit auch Folgendes: Alles, was wir tun oder womit wir uns beschäftigen, erschließen wir uns auf der Basis dieser frühen Prägungen. Wir können gar nicht anders.

Transponiere ich diese Tatsache nun auf die Annäherung und den Umgang mit Spiritualität, so muss mir klar sein, dass hier keine anderen inneren Gesetze die Regie führen.

Für mich gibt es daher, was Wunder, zwei Arten der Annäherung an jegliche Form von Spiritualität: Entweder ich versuche, auf der Grundlage des Fortführens meiner Verhaltensmuster mir Spiritualität anzueignen, oder aber ich nähere mich ihr, um Herrin meines Schicksals zu werden.
Im ersten Fall benutze ich Spiritualität, um mir dadurch etwas von außen zuzuführen, woran es mir innerlich mangelt und versuche, einen stabilen Status quo herzustellen. Dies schließt ein, dass ich auch die Beziehungen zu de…

Wo keine Güte ist, da ist keine Dharmapraxis

In vielen Schriften wird gelehrt, was es anzuwenden gilt, doch nicht, wie man es in heutigen Zeiten umsetzt und in den Alltag integriert. In gewisser Weise wirken viele Lehrtexte in unserer heutigen Gesellschaft wie aus der Zeit gefallen, alt und gediegen, doch nutzlos für den, der sich nicht Raum schafft, sie für sich in heutige Lebensumstände zu übersetzen.

Interpretationen dieser Texte sind kaum frisch und lebendig, wenn in einem Kontext gelehrt und mündlich überliefert, der ebenso wenig mit einem heutigen Leben zu tun hat, sondern von einer abgelegenen Enklave handelt. Einem Leben in Distanz zum „wirklichen Leben“.

Ich habe mich anfangs fast dafür geschämt, so fern allen Nachdenkens über den „rechten Lebenserwerb" des achtfachen Pfads leben zu müssen und dennoch Dharma zu wollen. Oft gibt es nur die Wahl zwischen schwarz und weiß, zwischen „out“ und „in“, zwischen dem „weltlichen“ und einem „sakralen“ Leben, zwischen Hobby-Buddhisten respektive Laien und Vollblut-Buddhisten …

Elastische Beharrlichkeit

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Nicht alles, was an mich herangetragen wird, hat auch mit mir zu tun. Selbst wenn mir Menschen begegnen, die in der Kommunikation mit mir einen ganzen Mülleimer voller Vorwürfe und Zuschreibungen über mir auszukippen scheinen, prüfe ich genau: Was hat das, was gerade passiert, wirklich mit mir zu tun?

Für mich, als empathische Person, ist diese Frage überlebenswichtig. Aufgrund meiner starken Resonanzfähigkeit neigte ich seit meiner Kindheit dazu, mich mit den Gefühlszuständen anderer zu identifizieren. Und als Kind ist es normal, das Wahrgenommene auf sich zu beziehen. Wenn jemand mir Vorwürfe machte, fühlte ich mich dafür verantwortlich und schuldig. Mal Hand aufs Herz, wir neigen alle dazu, andere für unsere Missgeschicke und unser Unwohlsein verantwortlich zu machen. Oft genug jedoch sind wir selbst es, die nicht genug für uns getan haben, und nicht die anderen.

Anderen die Schuld zu geben ist einfach, sich selbst zu prüfen, inwiefern ich zu einer unangenehmen Situation beigetrag…

Die unbedachte Intuition

Nein, ich habe nicht zwei Gesichter, hänge mein Mäntelchen nicht nach dem Wind, aus strategischen, auf mein Vorankommen bedachten Gründen. Ich lebe dennoch, wie alle anderen, mit verschiedenen Rollen. Selbst wenn ich diese zu reduzieren bemüht bin, diktiert mir mein Lebensumfeld diverse Rollen und ich verhalte mich in Relation zu gegebenen Umständen und Menschen.

So oft es geht, bin ich möglichst nah an dem, was ich in mir lebendig fühle. Je nach Kontext wähle ich Inhalte und Worte aus und verhalte mich auf bestimmte Arten und Weisen.

Ich wurde in ein gesellschaftliches Extrem hinein geboren. Dieses Extrem fällt uns in der Regel nicht auf - wir kennen es nicht anders. Die Wenigsten würden es ein Extrem nennen, für mich war es schon immer eins: Das Extreme fokussieren auf alles Fassbare. Fassbar im Sinne von dokumentierbar, nachweisbar, abbildbar, belegbar, beweisbar und messbar.

Als empathischer, feinfühliger Mensch, bin ich jemand, der über viele Kanäle gleichzeitig Informationen u…

Und mein Herz soll brennen!

Ich denke heute an die oft gehörten Worte seiner Heiligkeit des Dalai Lama, dass jeder am besten bei der Religion bleiben sollte, in die er geboren wurde. Und ich stelle mir die Frage: Warum ist mir dies nicht gelungen?

Irgendwann, vor Jahren schrieb ich bereits darüber, dass ich aus einem durch und durch christlichen Umfeld stamme: Mein Vater war evangelischer Pastor und dessen Vater ein Prediger. Auch meine Mutter stammte aus einer seit Generationen stark christlich geprägten Familie.

Meine Kindheit verbrachte ich in der DDR, in einem kleinen Dorf. Und wenn ich mich heute frage, wann ich mich eigentlich von meiner eigenen Religion zu distanzieren begann, so war das schon sehr früh. Als ich mit 14 Jahren konfirmiert wurde, also mich aus eigenem Willen noch einmal zum christlichen Glauben bekannte, so war das für mich kein Schritt aus innerer Überzeugung, sondern ein familiärer Kompromiss und ein Politikum.

Damals hätte ich das nicht so genannt und ich empfand große Wertschätzung ge…

Das Leben - ein ewiger Handel?

Manche Dinge im Leben sind nicht verhandelbar.

Doch lebe ich wirklich danach?
Oder habe ich mich vielmehr schon zu stark an die Regeln irgendeines kollektiven Egos gewöhnt, dass ich mich auch innerlich durch dessen »Wenn... Dann...Verhandlungen« leiten lasse? Diese Frage stelle ich mir diese Tage, überrascht beobachtend, wie insbesondere der instabile Anteil in mir glaubt, diesen Prinzipien folgen zu müssen, um zu überleben.

Zum Beispiel suggeriert da etwas in mir, dass alles eine klar definierte, lineare Abfolge habe:

•    »Erst wenn xxx eingetreten, xxx erreicht, xxx vollendet oder xxx getan wurde, kann yyy eintreten.«
•    »Wenn ich xxx erledigt habe, bin ich bereit für yyy«.
•    »Bevor ich nicht xxx kann, wird yyy niemals mit mir einverstanden sein.«
•    »Weil ich xxx nicht kann, werde ich yyy nicht bekommen.«
•    »Wenn ich xxx erreicht habe, bin ich glücklich.«
•    »Wenn ich xxx für yyy tue, wird er mich lieben«
•    »Wenn yyy dies nicht für mich tut, ist sie nicht wi…