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Meine Empfehlung

Der Krieg der Systeme

Angst, Scham und Schuld sind die drei Empfindungen, auf die ich sehr aufmerksam reagiere. Erzeugt etwas oder jemand diese Gefühle in mir, weiß ich, dass ich dies nicht für bare Münze nehmen darf, sondern hinterfragen muss. Kontempliere ich über die Zusammenhänge, die das in mir verursachen, so beobachte ich stets zweierlei:

1. Angst, Scham und Schuld sind nicht natürlich vorhanden, als Empfindungen, sondern sind stets das Ergebnis einer logisch erscheinenden Argumentationskette. Sie sind immer mit konkreten Gedanken oder Sätzen verbunden, die Teil eines bestimmten Glaubenssystems sind. Es sind stets in Worten bestehende Zuschreibungen. Sie belegen etwas mit einer spezifischen Deutung, die ich irgendwann einmal erlernt habe.

2. Davon kann ich klar Empfindungen unterscheiden, die keinerlei argumentatorische Ursache haben, wie Großzügigkeit, Offenheit, Liebe, Mitgefühl, Sympathie oder einem Gefühl der Stimmigkeit und Harmonie. Sie machen unsere wahre Herzensnatur oder Buddhanatur aus. …

Und mein Herz soll brennen!

Ich denke heute an die oft gehörten Worte seiner Heiligkeit des Dalai Lama, dass jeder am besten bei der Religion bleiben sollte, in die er geboren wurde. Und ich stelle mir die Frage: Warum ist mir dies nicht gelungen?

Irgendwann, vor Jahren schrieb ich bereits darüber, dass ich aus einem durch und durch christlichen Umfeld stamme: Mein Vater war evangelischer Pastor und dessen Vater ein Prediger. Auch meine Mutter stammte aus einer seit Generationen stark christlich geprägten Familie.

Meine Kindheit verbrachte ich in der DDR, in einem kleinen Dorf. Und wenn ich mich heute frage, wann ich mich eigentlich von meiner eigenen Religion zu distanzieren begann, so war das schon sehr früh. Als ich mit 14 Jahren konfirmiert wurde, also mich aus eigenem Willen noch einmal zum christlichen Glauben bekannte, so war das für mich kein Schritt aus innerer Überzeugung, sondern ein familiärer Kompromiss und ein Politikum.

Damals hätte ich das nicht so genannt und ich empfand große Wertschätzung ge…

Das Leben - ein ewiger Handel?

Manche Dinge im Leben sind nicht verhandelbar.

Doch lebe ich wirklich danach?
Oder habe ich mich vielmehr schon zu stark an die Regeln irgendeines kollektiven Egos gewöhnt, dass ich mich auch innerlich durch dessen »Wenn... Dann...Verhandlungen« leiten lasse? Diese Frage stelle ich mir diese Tage, überrascht beobachtend, wie insbesondere der instabile Anteil in mir glaubt, diesen Prinzipien folgen zu müssen, um zu überleben.

Zum Beispiel suggeriert da etwas in mir, dass alles eine klar definierte, lineare Abfolge habe:

•    »Erst wenn xxx eingetreten, xxx erreicht, xxx vollendet oder xxx getan wurde, kann yyy eintreten.«
•    »Wenn ich xxx erledigt habe, bin ich bereit für yyy«.
•    »Bevor ich nicht xxx kann, wird yyy niemals mit mir einverstanden sein.«
•    »Weil ich xxx nicht kann, werde ich yyy nicht bekommen.«
•    »Wenn ich xxx erreicht habe, bin ich glücklich.«
•    »Wenn ich xxx für yyy tue, wird er mich lieben«
•    »Wenn yyy dies nicht für mich tut, ist sie nicht wi…

Wenn innere Weite endlich die Dunkelheit umschließt

Vor mehr als neun Monaten war es noch mein Wunsch, einem weit entferntem Traum gleich, dass sich diese innere Mauer auflösen möge, die das »fremde Zimmer«in mir, als unbeeinflussbar erscheinende Parallelwirklichkeit, wach hält. Damals erlebte ich mich noch in zwei voneinander getrennten Welten, ja beinahe getrennten Ichs, die in mir nebeneinander her lebten: In der einen Welt vermochte ich selbstwirksam zu handeln, in der anderen Welt fühlte ich mich schutzlos ausgeliefert.

Damals blieb mir nichts anderes, als nach der unvermuteten Rückkehr aus der in sich abgeschlossen scheinenden Dunkelheit noch einmal über deren Beschaffenheit zu reflektieren. Aus der gesunden Distanz des Beobachters, der Verbundenheit zu seiner inneren Quelle spürt. Nicht mehr und nicht weniger. Ich konnte damals nur Vertrauen haben, dass Phasen in diesem dunklen Zimmer irgendwann enden würden, ohne  darauf Einfluss nehmen zu können. Ohne willentlich den Ausgang zu finden.

Ein Wunsch, mit Entschlossenheit gesproche…

Über die Relativität von Ansichten

Einige kennen die berühmte tibetisch-buddhistische Geschichte über das Verhältnis von Marpa und Milarepa. Milarepa wurde ziemlich hart heran genommen, bevor Marpa sich entschloss, ihm die tiefgründigsten Unterweisungen zu geben, nach denen es Milarepa verlangte. Und da gab es auch noch Marpas Frau, Dagmema, zu der Milarepa lief, um sich über diese, in seinen Augen ungerechte Behandlung zu beschweren. Er soll damit Dagmemas Herz erweicht haben und sie hat so Einiges für ihn getan, als sie die Verletzungen sah, die Milarepa beim tapferen Befolgen der Anweisungen Marpas davon getragen hatte.

Aus heutiger Sicht frage ich mich, warum sie sich für Milarepa einsetzte. Denn, genau genommen, ist es Milarepa gewesen der die Härte seiner täglichen Arbeit bestimmte. Oder hat ihn Marpa einen strengen Zeitplan gegeben, wie es heute üblich wäre, bis wann genau er das Haus gebaut haben solle?

Folgen wir doch mal einem kurzen Moment genau diesem Gedankenspiel: Meinem Wissensstand nach gab es für den …

Konsens oder das Gesetz des Stärkeren?

Ich denke, dass ich mit Fug und Recht behaupten kann, dass Frauen der Umgang mit oder der Kontakt zu ihren Gefühlen leichter fällt, als Männern. Ebenso ist es mit dem Wunsch nach und die Einsicht in die Notwendigkeit von Konsens, als wichtiger Wert für das Zusammenleben. Und die Bereitschaft zu Konsens wird für mich persönlich immer bedeutsamer. Auf der Basis von Konsens entwickeln sich Kooperation und positive Resonanz.

Als ich vor einigen Tagen jenen Kollegen wieder traf, den ich im letzten Beitrag erwähnte, traf ich auf einen völlig veränderten jungen Mann. Plötzlich wirkte er auf mich präsent, im Hier und Jetzt. Alle Gehetztheit war verschwunden und er blickte mich mit freundlichen, warmherzigen Augen an. Natürlich fragte ich, wie es ihm jetzt geht.

Nach unserem Gespräch hatte er noch einmal mit seinem besten Freund über meine Worte gesprochen. Und dieser hatte ihm genau auf das Gleiche aufmerksam machen wollen, wie ich. Doch seine Worte waren einfach nicht zu ihm durchgedrungen,…

Die Entscheidung des Lebens

Das Leben in der technisierten, westlichen Welt, ist so komplex, dass es die feinfühligen Menschen unter uns permanent überfordert. Ich spüre das sehr deutlich seit ca. 15, 16 Jahren daran, dass ich so Vieles einfach nicht schaffe, was unseren Alltag im Westen bestimmt, will ich meinen persönlichen Bedürfnissen treu sein.

Ich rede hier von meiner Psycho-Hygiene, die ich täglich betreibe, weil ich sonst mit meiner inneren Entwicklung nicht Schritte halten kann. Ich brauche sehr viel Zeit, um das, was in meiner Praxis zutage tritt, angemessen zu würdigen. Täte ich es nicht, könnte ich auch aufhören, zu meditieren. Dann sperrte ich nur wieder einen Deckel auf den Topf oder stopfte einen Korken auf die Flasche, anstelle zu bereinigen, was zu bereinigen ist und zu stärken, was zu stärken ist.
Dafür habe ich vor 15, 16 Jahren eine bewusste Entscheidung getroffen, zu der ich mich täglich neu entscheide, zu stehen.

Das alltägliche Leben läuft weiter und weiter. Ich kann mich nicht meinen P…